01.03.2026: Neues Projekt gestartet
In unserem letzten Newsletter hatten wir ja bereits angedeutet, dass sie Großes im Historischen Lokschuppen Wittenberge tun wird. Und das hat mit einer unserer Dampfloks der Baureihe 50 zu tun, von denen wir mehrere Exemplare im Bestand haben.
Ein paar Worte zur Geschichte der Baureihe 50: Sie war Teil des Neubauprogramms der ehemaligen Deutschen Reichsbahn, die ab den 1930er Jahren eine für die damalige Zeit moderne Dampflokflotte aufs Gleis setzen wollte, die einem einheitlichen Typenprogramm entstammen sollte. Es gab zwar Baureihen für unterschiedliche Einsatzzwecke. Allerdings waren etliche Teile übergreifend verwendbar. Das reduzierte die Beschaffungs- und Unterhaltskosten deutlich. Dabei war die Baureihe 50 eine Art Universaltype, die sowohl vor Personenzügen als auch vor Güterzügen eingesetzt werden konnte. Insgesamt wurden über 3.100 Loks der Baureihe ab 1939 in verschiedenen Fabriken in Deutschland und dem kriegsbedingt besetzten Ausland hergestellt.
350 Exemplare verblieben nach dem Krieg im Bereich der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und wurden später durch die Deutsche Reichsbahn der DDR eingesetzt. Mitte der 1950er Jahre wurde hier deutlich, dass man die Loks noch über einen längeren Zeitraum einsetzen müsste, weil sich der geplante Traktionswechsel hin zum Betrieb von Diesel- und Elektroloks verzögerte. Deshalb wurden 208 Loks der Baureihe 50 in der DDR zwischen 1958 und 1962 rekonstruiert. Das bedeutete, dass sie neue Kessel erhielten und teilweise auch neue Tender.
Zu den genannten 208 Exemplaren gehört auch unsere 50 3682, die 1939 bei Krauss-Maffei in München gebaut und von der Deutschen Reichsbahn als 50 255 in Betrieb genommen wurde. Sie hatte ein bewegtes Leben. So wurde sie von 1948 bis 1952 im sogenannten Kolonnendienst eingesetzt. Dabei wurden Maschinen und Güter aller Art, die von der Sowjetunion als Reparationsleistungen nach dem Krieg beansprucht wurden, bis an die polnisch/russische Grenze gefahren, wo sie in Güterzüge mit russischer Breitspur umgeladen wurden. Solche Fuhren dauerten mitunter Wochen.
Ende der 1950er Jahre wurde unsere Lok im Ausbesserungswerk Stendal rekonstruiert und trug seitdem die Nummer 50 3682. Sie gehörte bis März 1993 zum Bestand der Deutschen Reichsbahn und wurde dann von einem Vereinskollegen erworben. Wir konnten sie bis 2019 betriebsfähig erhalten. Dann zwang uns allerdings der Zustand ihres Kessels dazu, sie abzustellen. Dessen Materialstärke ließ leider keinen weiteren sicheren Betrieb mehr zu.
Zwei Bilder aus dem Museumseinsatz der Lok: Beförderung eines Güterzuges im März 2002 und Einsatz bei Rundfahrten durch den Hamburger Hafen Ende September 2007.
Da wir vor einiger Zeit auch die Schwestermaschine 50 3570 aus ähnlichen Gründen abstellen mussten, wurde nun beschlossen, zunächst den Wiederaufbau der 50 3682 ins Auge zu fassen. Dazu wurde ein Ersatzkessel besorgt, der in recht gutem Zustand ist.
Zunächst muss jedoch der bisherige Kessel der Lok entfernt werden. Um ihn vom Fahrwerk der Lok abheben zu können, müssen zunächst alle Anbauteile und das Führerhaus der Lok entfernt werden. Dazu müssen sämtliche Armaturen und Bedienelemente aus dem Führerhaus ausgebaut und alle Rohrleitungen und Nebenaggregate, die mit dem Kessel verbunden sind, abgebaut werden. In dieser Phase befinden wir uns gerade. Aktuelle Bilder vom jüngsten Arbeitseinsatz dazu sind hier angehängt. Demnächst geht es weiter. Wir halten Sie hier auf dem Laufenden.
Falls Sie uns bei diesem Projekt unterstützen möchten, sind Sie dazu herzlich eingeladen. Es gibt genügend Arbeit, aber auch Finanzbedarf. Bitte sprechen Sie gerne unseren Vorstand an (Kontaktdaten im
Impressum).
Fahrzeug:
50 3682-7ähnliche Artikel (Aktuelles):
ähnliche Artikel (Presse):
zur Übersicht